Allgemein Recht Heirat

Was ändert sich gesetzlich nach der Heirat in der Schweiz?


Denise A
@denise | Aktualisiert am 17 Jun. 2018


Hallo

Ich werde bald heiraten und habe mich schon immer gefragt, was sich eigentlich gesetlich alles ändert, wenn man verheiratet ist?


Vielen netten Dank!


Nico Benz
@Nico | Veröffentlicht seit 08 Aug. 2018


Hallo Denise

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch! ;-)

Gesetzlich ändert sich einiges. Ein vollständige Auflistung kann ich dir kaum geben, aber ich kann mal versuchen die wichtigsten Punkte anzuschneiden:

Güterstand
Die Heirat bewirkt eine Verbindung der Ehegatten zu einer vermögensrechtlichen Gemeinschaft. Diese vermögensrechtliche Gemeinschaft der Ehegatten wird auch Güterstand genannt. Das Gesetz sieht drei Güterstände vor, wobei grundsätzlich [d.h. wenn nicht  explizit ein anderer Güterstand durch einen Ehevertrag vereinbart worden ist] der Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung zur Anwendung kommt.
Diese durch die Ehe begründete vermögensrechtliche Gemeinschaft ist bei der Auflösung der Ehe, sei es durch Tod oder Scheidung, von Bedeutung. Der Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung unterscheidet die jeweilige Vermögensmasse von dir und deinem Ehegatten in Eigengut und Errungenschaft. Stark vereinfacht gesagt ist das Eigengut der Teil der Vermögensmasse, welcher in die Ehe eingebracht wurde. Die Errungenschaft ist die Vermögensmasse, welche während der Ehe erworben wurde, also zum Beispiel der Lohn aufgrund eines nachgegangen Berufs. 
Im Falle einer Scheidung oder des Todes eines Ehegatten behält jeder Ehegatte sein Eigengut. Die Errungenschaft jedes Ehegatten hingegen wird hälftig mit dem anderen Ehegatten geteilt.

Besteuerung
Wie oben bereits erwähnt führt die Ehe u.a. zu einer vermögensrechtlichen Gemeinschaft, d.h. besteuert werden das Einkommen und das Vermögen der Ehegatten zusammen, was aufgrund der progressiven Ausgestaltung der Steuersätze zu einer höheren Steuerbelastung als bei einer individuellen Besteuerung der jeweiligen Ehegatten.

Namensrecht
Seit 2013 behält grundsätzlich jeder Ehegatte seinen Ledignamen (= also den Nachnamen, den eine Person von seinen Eltern hat). Ihr könnt aber gegenüber dem Zivilstandsbeamten erklären, dass sie deinen Ledignamen oder den Ledignamen des Bräutigams als gemeinsamen Familiennamen tragen wollt.

Erbrecht
Liegt kein Testament oder Erbvertrag vor, beträgt der jeweilige gesetzliche Erbteil der Ehepartner, je nachdem ob der verstorbene Partner noch Kinder und / oder Eltern hinterlässt, die Hälfte der Erbschaft, drei Viertel der Erbschaft oder die ganze Erbschaft .
Hat der verstorbene Ehepartner ein Testament oder einen Erbvertrag hinterlassen, so hat der überlebende Ehepartner Anrecht auf mindestens den Pflichtteil. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils: Hinterlässt der verstorbene Partner keine Kinder aber Eltern, beträgt der Pflichtteil drei Achtel der Erbschaft, hinterlässt der verstorbene Partner Kinder, beträgt er ein Viertel der Erbschaft, in allen anderen Fällen beträgt der Pflichtteil die Hälfte der Erbschaft.